Der Alpenkönig und der Menschenfeind
Das Drama „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ von Ferdinand Raimund ist ein Biedermeierstück aus dem Jahre 1828, das jedoch an Aktualität nichts verloren hat. Im Gegenteil, das Stück scheint auf unsere heutige Zeit regelrecht zugeschnitten zu sein. Die Beschäftigung eines Individuums mit seinen eigenen Schwächen und ein Konflikt basierend auf einem Kommunikationsproblem und einem Wahrnehmungsdefizit sind die Hauptthemen des Stückes und erscheinen gleichzeitig geradezu als Erfindung der heutigen Zeit.
„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ wird von Ferdinand Raimund selbst als romantisch-komisches Original-Zauberspiel in zwei Aufzügen bezeichnet. Raimund als Vertreter des Wiener Volksstückes trachtete danach, Originalstücke zu schreiben. Er hatte selten Probleme mit der metternichschen Zensur, da seine Texte ähnlich wie die anderer österreichischer Dichter des Biedermeier davon sprechen, dass das wahre Glück, die wirkliche Größe des Menschen in der Bescheidenheit und im Verzicht liegt. Raimunds Art von Dramatik ist eine Reaktion der Dichter auf die Zensur. Das Zauberspiel bietet die Möglichkeit, über Gesellschaftliches zu schreiben, ohne dass die Stücke verboten oder zensuriert werden. Spätere Stücke, wie „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ sprengen die Grenzen des vorwiegend komischen Volkstheaters, sie rücken in die Nähe des Besserungsstückes und versuchen, Lösungen des Konflikts zwischen Wunschbild und Wirklichkeit zu zeigen.
Im Stück geht es um den Herr von Rappelkopf, einen sehr wohlhabenden Buchhändler, der durch den Verlust bei Geschäften das Vertrauen in die Menschen zu verlieren beginnt. Aufgrund seiner immer größeren Fehleinschätzungen der Menschen beginnt Rappelkopf die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. Dadurch entlarvt sich die scheinbar biedere Realität für ihn als bösartiges, gefährliches Trugbild. Er lebt mit seiner Familie auf seinem Landsitz in einer totalen Isolation. Keiner geht mehr einer sinnvollen Tätigkeit nach – das Leben wird Selbstzweck.
Da sich Rappelkopf immer stärker in eine eigene Phantasiewelt zurückzieht, verliert er immer mehr den Bezug zur Realität. Obwohl er eine übersteigerte Sehnsucht nach Harmonie und Geborgenheit hat, tyrannisiert er seine Umgebung mit Misstrauen, Eifersucht und Wutanfällen. Doch dann erscheint der Alpenkönig...